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Von der Hundephobie zum eigenen Vierbeiner

Kaum zu glauben, dass das Mädchen mit einer Hundephobie jetzt ihren eigenen Hund hat. Viele, die mich kennen, konnten es gar nicht glauben, als ich ihnen die Nachricht erzählt habe, dass ich mich in einen kleinen Welpen verliebt hat. „Was du? – now way, du hast doch Angst oder?“, waren eine der häufigen Antworten. Das stimmt auch bis zu einem gewissen Punkt. Ich habe noch immer Angst vor großen Hunden, vielleicht mittlerweile mehr Respekt als Angst.


Der Hintergrund meiner Hundephobie


Wenn du mich nicht kennst, vielleicht kurz der Hintergrund meiner Hundephobie. Eine Phobie die generationsbedingt weitergegeben wurde. Eine Phobie, unter der ich jahrelang gelitten habe. Teilweise hatte ich so eine Angstattacke, wenn ein Hund auf mich zugelaufen ist, dass ich vor lauter Zittern nicht mehr Stehen konnte. Mein Herz raste unglaublich und ich wollte einfach nur weg. Einfach nur fliegen können. Mich wegbeamen von der Situation. Nach Jahren des ständigen Straßenseite wechselns und Herzrasen bekommen, habe ich mich dazu entschieden etwas zu ändern – für mich war es einfach eine enorme Einschränkung meines Lebens und ich wusste, dass ich dies nicht auch mal meinen Kindern weitergeben möchte.


Ein Wandel in Costa Rica


Vor allem bei meinen vielen Reisen, begegnete ich sehr vielen Straßenhunden. Zuletzt auf meiner Reise in Costa Rica. Da gab es quasi gar keine andere Wahl, als sich irgendwie mit diesen Vierbeinern auseinander zu setzen. Gesagt, getan nahm ich also endlich diese Angst in die Hand und hab ihr zu 100% in die Augen geschaut. Ich versuchte meinen Kopf so gut wie es geht auszublenden, einfach nicht hinzuöhren, wenn er wieder sprach „Der wird dich beißen, geh woanders hin“. Ich nahm meinen ganzen Mut zusammen und hab meine ersten Hunde gestreichelt. Habe begonnen ihr Verhalten zu beobachten und jedes Herlaufen, welches ich ursprünglich als Gefahr gesehen habe, umzuwandeln in ein „Spielen der Hunde“. Nach und nach wurde meine Angst ein bisschen weniger, bis ich schließlich eine Nacht auf einen Hund aufgepasst habe. Ich war extrem nervös, da der Hund im selben Zimmer geschlafen hat – zum Glück jedoch unter dem Bett und nicht auf dem Bett. Noch dazu kommt, meine Angst „Alleine in der Dunkelheit zu sein“, die sich mit dem Hund völlig unerwartet viel weniger schlimm angefühlt hat, weil ich ja nicht alleine war. Trotzdem kam aber noch die Angst vor Hunden dazu, die überraschenderweise in dieser Nacht so gut wie ausgeblendet war. Am nächsten Morgen wurde ich von einem super motivierten Hund mit wedelnden Schwanz geweckt. In einer Zeit, wo ich gerade von Depressionen geplagt war und kaum aus dem Bett kam, war das die allerschöne Begrüßung. Endlich jemand, der sich freute, dass ich am Leben bin. Jemand der mich brauchte. Jemand der mich mit all meinen Schwächen bedingungslos liebt. „Wow“, dachte ich mir, was für ein schönes Gefühl. Wir gingen eine Runde spazieren und ich war voller Freude und Glück, wie gut sich das anfühlte. So gut, dass ich sogar kurz mit dem Gedanken spielte, selbst mal einen Hund zu haben. Das kam mir dann im selben Moment total absurd vor.Ich suchte auch nie nach einem Hund, weil ich diesen Gedanken nie wirklich ernst genommen habe. Außerdem hat es meine Lebenssituation zu dem Zeitpunkt gar nicht zugelassen.


Wie es weiterging ...


Mehrere Monate vergingen, ohne auch noch irgendwie an einen Hund zu denken. Ich hatte normale Begegnungen mit Hunden, keine extremen Ängste mehr, jedoch auch keinen intensiven Kontakt. Ich war richtig stolz auf meinen Fortschritt und auf meine neue Lebensqualität. Es fühlte sich unheimlich gut an, endlich normal Spazieren gehen zu können, ohne einen halben Herzinfarkt zu bekommen, wenn mir ein Hunde begegnete.


Überraschender Besuch


Auf meiner Heimreise von meinem Auslandssemester in Porto verbrachte ich die letzten 10 Tage mit einer sehr guten Freundin, die ich in Porto kennengelernt habe in meinem Van. Sie ist total Hunde verliebt und hat von einem guten Freund erfahren, dass seine Hündin Welpen bekommen hat. Auf unserem Roadtrip war dieser Freund ganz in der Nähe und sie hat mich gebeten ihn und die Welpen zu besuchen. Anfangs war ich nicht sehr überzeugt, da die Farm, wo die Welpen groß wurden, eine Stunde in der falschen Richtung gelegen ist und ich nicht wirklich davon begeistert war Welpen zu sehen. Irgendwas in mir wollte jedoch trotzdem hin. Vielleicht war es einfach der Grund endlich mal eine Farm/kleine Tinyhouse Community in Portugal zu sehen, da es mein Traum ist, selbst mal in einem Tinyhouse zu wohnen. Vielleicht war es aber auch schon der innere Ruf meiner Seele den kleinen Melo kennenzulernen.


Wir fuhren also Richtung Farm und haben ihren Freund sowie die Welpen besucht. Bei der Farm angekommen wurden wir sofort von Beringela (der Welpenmama) begrüßt. Ein unheimlich süßer und wunderschöner Hund. Ein paar Schritte weiter kamen die Welpen auf uns zu und mein Herz pochte stärker. Ich hab noch nie sowas Süßes gesehen und war ganz hin und weg von den kleinen Vierbeinern. Im selben Moment fragte ich die irrationale Frage, ob die Welpen zu haben sind. Der Besitzer bejahte diese sofort und ich kam von dem Gedanken nicht mehr weg, einen mitzunehmen. Natürlich war es zu dem Zeitpunkt noch viel zu früh, da die Welpen erst 4 Wochen alt waren. Mein rationaler Verstand schlug außerdem Alarm, das alles genau zu überdenken. Im selben Moment hat mein irrationaler Verstand schon nach einem Namen gesucht (ich weiß, mein Gehirn ist manchmal sehr verrückt). Ich mein wer kann zu diesem süßen Fratz schon nein sagen :D. Sofort war mir auch klar welchen Hund ich haben möchte. Ich spürte so eine starke innere Verbindung, dass es sich fast so angefühlt hat, als wär es mein eigenes Baby.





Herz und Kopf verdreht


Auf dem weiteren Roadtrip ging mir Cogumelo aka Melo, was übrigens Schwammerl auf portugiesisch heißt :P, nicht mehr aus dem Kopf. Ich informierte mich über die Einfuhr nach Österreich, fragte meine zukünftigen Mitbewohner ob sie Lust auf einen WG-Hund haben und leitete die Schritte mit unserem Vermieter ein. Ich sagte mir zu mir selbst, wenn von allen Seiten ein „Ja“ kommt ist es ein klares Zeichen ihn zu nehmen und war fest davon überzeugt, dass bei so vielen involvierten Parteien irgendjemand etwas dagegen haben wird.


Am Ende kam von allen Seiten ein „Ja“ und mein Herz pochte wie wild. Für mich war das die Bestätigung, dass es genau die Aufgabe ist, die ich gerade brauche. Ein Wesen, dass mich in seinem Leben braucht und für den ich sein Ein und Alles bin. Als der Kleine 16 Wochen alt war, holte ich ihn aus Portugal ab und wir flogen gemeinsam nach Hause. Ich war extrem aufgeregt und war gespannt, wie er aufs Fliegen reagieren wird. Zum Glück hat er die 3,5h durchgeschlafen und die Zeit verflog Wort wörtlich wie im Flug.




Mein aktuelles Leben mit Melo


Seit Anfang April lebt Melo bei uns in Tirol und ich könnte mir ein Leben ohne ihn gar nicht mehr vorstellen. Es ist wunderschön jeden Tag von ihm geweckt zu werden und zu wissen, dass er überglücklich ist, weil es mich gibt. Auch wenn er mich manchmal in den Wahnsinn treibt, zaubern mir seine Hundeblicke immer ein Lächeln ins Gesicht.


Ich kann diese Entwicklung selbst oft nicht glauben. Vor allem, dass sich Melo so schnell in mein Leben manifestiert hat. Anscheinend war es genau das, wonach sie meine Seele so lang gesehnt hat. Etwas wovor sie am meisten Angst hatte und ihr jetzt die größte Liebe schenkt. <3







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