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Über Verluste und das Leben

Wenn du eine geliebte Person viel zu früh verlierst…


Dieses Thema ist eines der für persönlichsten und prägendsten Themen überhaupt. Ich habe keine Ahnung in welche Richtung dieser Text führen wird, aber ich beginne einfach mal.


Noch immer macht es mich sprachlos, fast starr, wenn ich an diesen Tag zurückblicke. Noch viel zu detailliert habe ich die Bilder in meinem Kopf. Ich war gerade erst 15 Jahre alt, als mein Vater überraschender Weise an einem Herzinfarkt starb. Die genaue Ursache des Infarktes konnten wir leider nie wirklich herausfinden. Ein Trigger könnte jedoch das Rauchen von Zigaretten gewesen sein. Ein Grund, warum ich bis heute nie zum Rauchen begonnen habe und eine regelrechte Abneigung gegenüber hab. Wenn ich auf die Jahre nach dem Tod zurückblicke, waren sie starr, fast wie in Trance. Ich kann mich kaum noch erinnern was ich immer so gemacht habe. Was ich noch weiß ist, dass ich sehr viel geschlafen haben – fast 16 Stunden täglich. Mein Alltag sah folgendermaßen aus: ich wachte auf, nach 10 Mal schlummern verlies ich endlich das Bett, ging zu Schule, kam nach Hause, aß mein Mittagessen, ging schlafen, machte meine Hausübung und ging wieder schlafen. Wenn ich heute darauf zurückblicke, war ich ganz klar in einer sehr depressiven Phase. Allerdings konnte ich in meinem Alter nicht wissen, was mit mir los war. Am Wochenende ging ich aus. Ich ertränkte meinen Schmerz mit Alkohol. Wenn ich an dieses Mädchen heute zurückdenke, will ich sie einfach nur drücken, in den Arm nehmen und sagen, dass alles besser wird. So eine Trauer vergeht nicht von heute auf morgen, es dauert Monate, wenn nicht sogar Jahre. Ich will ihr sagen, dass sie sich nicht schämen muss, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen und nicht stark sein muss. Sie darf weinen und darf ihre Trauer zeigen.

Viel zu schnell konnte ich meine Trauer nicht mehr zeigen, aus Angst meiner Mama zur Last zu fallen, die gerade ihren Mann verloren hat. Ich wurde sehr schnell selbständig und hab versucht, so wenig wie möglich von ihr zu brauchen. Meine Mama hat mir weiterhin gekocht und den Haushalt gemeistert, wofür ich unendlich dankbar bin. Wir sind wenige Zeit später aus dem Haus ausgezogen, in dem mein Papa gestorben ist, was es etwas einfacher machte, da er genau vor meiner Kinderzimmertür tot umfiel. Jedes Mal, wenn ich Richtung Tür sah, sah ich ihn dort liegen. Jedes Mal schnürte es mir die Kehle zu. Und jedes Mal dachte ich er kommt wieder zur Tür reinspaziert und ist wieder lebendig. Es fühlte sich an wie ein schlechter Traum, der bald wieder vorbei sein würde. Doch die Jahre vergingen und mein Papa kehrte nicht zurück. Ab und an hatte ich Träume, wo er mir begegnete. Träume, die mir Angst machten – Alpträume, aus denen ich nachts aufschrak. Nachdem ein Jahr später mein Opa (Papa’s Papa) gestorben ist, konnte ich nicht mal mehr weinen. Ich fühlte mich schuldig und schlecht, dass ich die Trauer nicht fühlte. Aber für mich war dieser Tod nicht annähernd so schlimm wie der meines Papas.

Die Jahre vergingen und ich fing an den Tod zu akzeptieren. Ich fing an positive Aspekte zu finden. Zum Beispiel, dass ich durch meinen Papa die finanzielle Freiheit zum Reisen ermöglicht bekommen habe. Er hätte sich nichts mehr gewünscht, als eine glückliche Tochter zu haben und genau das versuche ich zu leben. Mal gelingt es mir besser mal schlechter. Oft wünsche ich mir einfach nur ein Gespräch mit ihm. So viele offene Fragen. Doch weiß ich, dass wenn mich dieser Schicksalsschlag nicht getroffen hätte, ich nie zu dem Menschen geworden wäre, der ich heute bin. Wir waren eine sehr einfache Familie. Haben immer dieselben Urlaube gemacht und unsere Tage ähnelten einander. Durch den Tod habe ich mir erst Fragen gestellt wie „Warum sind wir hier?“, „Wer bin ich eigentlich?“ und „was will ich mit meinem kostbaren Leben anfangen“. Denn durch den plötzlichen Tod, habe ich jeden Tag Angst, morgen nicht mehr aufzuwachen oder einfach umzufallen. Innerlich mache ich mir täglich Stress, etwas Besonderes zu erleben, weil ich Angst habe viel zu früh zu sterben. Dieser Stress hat mich mit 27 Jahren ins BurnOut gebracht und ich bin noch immer dabei, daraus zu heilen. Ich will damit aufzeigen, wie sehr uns der Tod eines geliebten Menschen prägen kann und Allen, die das gleiche erlebt haben, zeigen, dass wir nicht alleine sind! Der Tod gehört zu unseren Leben dazu wie die Geburt und auch wenn es uns schwer fällt, vielleicht schaffen wir den Tod ein bisschen mehr in unser Leben zu integrieren und ihn nicht weiter als Tabuthema zu sehen. Es ist wichtig darüber zu reden und Menschen zu haben, die einfach nur für einen da sind und einem zuhören ohne bemitleidetet zu werden - hier zählt Mitgefühl anstatt Mitleid. Außerdemdem ist es wichtig zu wissen, dass es nie einfach ist, jemanden, den man liebt zu verlieren. Sei es durch Tod oder durch eine Trennung.

Wie wir mit einem Verlust umgehen, ist immer unsere eigene Entscheidung. Wichtig ist, dass du dir selbst Zeit gibst! Zeit zu trauern und Zeit zu fühlen! Ich habe viel zu schnell angefangen wieder zu funktionieren, bin sofort wieder zur Schule gegangen und habe genauso weitergelebt wie zuvor. Jahre später, hat mich alles eingeholt.


Mit diesem Beitrag, möchte ich allen, die vielleicht erst vor Kurzen oder auch schon Längerem einen Menschen verloren haben, Mut zusprechen, dass es ganz normal ist zu trauern, dass es keine Schande ist, sich Hilfe zu holen und dass wir niemals alleine sind! Das es auch ganz normal ist, dass einem die Sache nach Jahren wieder einholt. Denn die Trauer und Emotionen, sind das was uns Menschen erst menschlich macht. Auch, dass wir den Tod, ,so gerne wir das wollen würden, nicht aus dem Weg gehen können und deswegen unser Leben genießen sollten, aber uns selbst nicht stressen sollten, alles in kürzester Zeit erleben zu wollen. Denn auch das bringt am Ende nicht das ersehnte Glück, das wir gerne hätten. Ganz im Gegenteil, es gibt immer weniger Momente, die neu und aufregend sind, umso mehr Neues man in kurzer Zeit macht.


Gerne stehe auch ich dir mit einem offenen Ohr zum Zuhören zur Verfügung!


Und eines wissen wir alle, egal wo der Weg nach dem Tod uns hintreibt, unsere lieben Verstorbenen sind immer ganz nah bei uns in unserem Herzen <3.


Von Herzen

Kerstin

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